Geologie
Die Entstehung der Kapverdischen Inseln war ein
Wechselspiel zwischen Vulkantätigkeit und Erosion. Dabei stellen die Inseln die
Gipfel einer gewaltigen submarinen Gebirgslandschaft, die sich aus der
so genannten Kapverdenschwelle herausheben, dar. Die Kapverdenschwelle ist ein
östlicher Ausläufer des Mittelatlantischen Rückens und trennt das südlich
gelegene Kapverdenbecken vom nördlich gelegenen Kanarenbecken [5], [1].
Die submarine vulkanische Tätigkeit im Mittelatlantik,
die schließlich zur Entstehung des Kapverdischen Archipels führte, setzte etwa
an der Wende von der Kreidezeit zum Tertiär ein und hatte ihre Ursache im
Auseinanderdriften der Kontinente Afrika und Amerika infolge der Öffnung des
südlichen Atlantiks. Die Inseln sind die Gipfel ausgedehnter unter der
Meeresoberfläche befindlicher Vulkane, deren Sockel von riesigen Schildvulkanen
eingenommen werden. Diese Schildvulkane entstanden bereits im Jura und sitzen
in mehreren Tausend Meter Tiefe dem Grund des Atlantiks auf [5], [11].
Die aus dem Meer emporragenden Vulkanspitzen waren
seit ihrer Entstehung ständiger Erosion ausgesetzt. Dabei wurden und werden
durch Wind und Niederschläge die aufgeschütteten Vulkangesteine abgeschliffen.
Beeindruckend sind die tief eingeschnittenen, meist ausgetrockneten
Erosionstäler (Ribeiras), die bei Regengüssen zu reißenden Flüssen werden
können.
An den Küsten trägt das Meer zu ständigen
morphologischen Veränderungen bei, wobei Sedimente angelagert (Akkumulation)
oder abgetragen (Erosion, Abrasion) werden können. Für die Anlagerung von
Sedimenten sorgt aber auch der Wind, der besonders über die östlichen Inseln
den Sand der Sahara verteilt.
Auf den östlichen Inseln endete die Vulkantätigkeit
wesentlich früher, so dass durch fortschreitende Bodenerosion die vulkanische
Struktur weitestgehend aufgezehrt wurde und flache, wüstenhafte Inseln
entstanden sind
[18]. Auf der Insel Fogo hingegen dauert die Vulkantätigkeit bis
heute an. Der Pico de Fogo brach zuletzt 1995 aus.
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Pico Pequeno
(Fogo) |
Basaltfelsen auf Santo Antão |
Pico de Fogo |
Wanderdünen
auf Boavista |
Ribeira
do Paúl
(Santo Antão) |
"Vulkanischer Gang" in Alto Mira
(Santo Antão) |
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Entsprechend der Veränderungen während der Entstehung
des Archipels existieren auf engem Raum recht unterschiedliche Gesteins- und
Bodenarten sowie unterschiedliche Landschaftsformen, auf die im einzelnen kurz
eingegangen wird:
Magmatische Gesteine: Durch Vulkantätigkeit an die Oberfläche in Form von Lava und Asche
gelangte Gesteine. Dies sind i.A. die gewaltigen Basaltfelsen, Bimsgesteine,
Tuffe, Schlacken und Asche. Besonders auf den östlichen Inseln sind diese
Gesteine erodiert und bilden die Bestandteile der kargen Böden [12], [1].
Sedimentäre Gesteine: Die bedeutendsten Sedimente stellen Ablagerungen des
Saharasandes auf den östlichen Inseln dar, aber auch Kalkablagerungen durch das
Meer sowie Sedimentablagerungen an sandigen Küsten und in den Ribeiras gehören dazu.
Erosionstäler (Ribeiras): Die Struktur der Gebirgsinseln, bei der riesige
steile Basaltgebilde durch tief eingeschnittene Täler getrennt wurden, entstand
schon während der Vulkantätigkeit, bei der flüssige Lava die Landschaft formte,
Krater gebildet und Vulkankegel aufgeschüttet wurden. Die Täler dienten bei
Niederschlagsereignissen dem Abfluss und wurden durch abfließende Wassermassen
nach starken Regenfällen tief ins Relief eingeschnitten. Diese sog. Erosionstäler (Ribeiras) waren schon seit Beginn der Besiedlung die wichtigsten
Siedlungsräume für die Menschen.
Schildvulkane:
Schildvulkane entstehen überwiegend aus Lavaströmen. Diese sind oft nur wenige
Meter mächtig und werden aus zentralen Kratern oder sehr langen Spalten eruptiert. Die Lava ist basaltisch und dünnflüssig, deshalb bildet sich kein
steiler Kegel, sondern ein flaches Schild [19].
Aschen- und Schlackenkegel: Aschen- und Schlackenkegel sind relativ ebenmäßige
Kegel. Sie entstehen durch eine Anhäufung von vulkanischem Lockermaterial um
einen zentralen Kegel (Pico de Fogo). Dabei ist Asche vulkanisches
Lockermaterial mit einem Korndurchmesser von weniger als 2 mm, Schlacken
hingegen haben eine Korndurchmesser von mehr als 2 mm und sind
unregelmäßig geformt
[19].
Einsturzkrater (Caldeira): Caldeiras sind im eigentlichen Sinne nichts anderes als Krater mit einem sehr
großen Durchmesser (mehrere hundert Meter bis einige Zehner Kilometer).
Caldeiras sind damit um ein vielfaches größer als die vulkanischen Öffnungen
oder Förderschlote, die von ihnen umgeben werden. Sie entstanden durch den
Einsturz von Vulkangipfeln, so dass man auch von Kollapsstrukturen spricht. Auf
den Kapverden sind die Caldeira am Vulkan von Fogo, die einen Durchmesser von
9 km hat, und die Caldeira am Cova-Krater auf Santo Antão besonders
beeindruckend, aber auch die überflutete Caldeira, die den Hafen von Mindelo
(São Vicente) bildet
[19].
Kesseltäler: Kesseltäler sind zum Meer auslaufende Einsturzkrater. Die
beeindruckendsten befinden sich auf Santo Antão,
z.B. das Kesseltal Ribeira das Patas [5].
Vulkanische Gänge: Vulkanische Gänge (filões)
stehen wie Mauern an den Hängen ehemaliger Vulkane. Sie entstanden durch
flüssige Lava, die sich in vulkanische Bruchspalten ergossen hatte. Durch
Erosion wurde das weichere Material um die erstarrte Lava im Laufe der Zeit
abgetragen und die zu hartem Gestein erstarrte Lava blieb als Mauer in der
Landschaft zurück [5].

Vulkanische Gänge (filões)
am Bergmassiv bei Alto Mira
Achadas oder Chãs:
sind relativ flache Hochebenen. Besonders häufig sind sie auf Santiago zu
finden [5].
Fãjas: sind breite, zum Meer
auslaufende Lavaströme mit relativ steilem Gefälle, die meist recht fruchtbar
sind. Die bekanntesten sind die Fãja auf São Nicolau und die Fãja d´Água auf
Brava [5].