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Geschichte
Entdeckung der Inseln
Als ein Sturm das Schiff des italienischen
Seefahrers Aloiso Cadamosto, der im Auftrag des portugiesischen Prinzen Heinrich
(Heinrich der Seefahrer) die Meere durchfuhr, 1456 von der Küste Senegals ins
offene Meer trug, sichtete er eine Wüsteninsel. Cadamosto gab dieser Insel den
Namen Boa Vista („Guter Anblick“). Weiterhin sichtete er die Inseln Maio und Sal
und ankerte schließlich vor Santiago. Als er in Portugal von den Inseln
berichtete, wurde der italienische Kapitän António da Noli mit der Erkundung
beauftragt. Da Noli stieß auf die völlig unbesiedelten Inseln Sal, Boavista,
Maio, Santiago und Fogo, denen er Namen nach den jeweiligen Kalendertagen der
Entdeckungen gab. Als er nach Portugal zurückkehrte, war Heinrich der Seefahrer
bereits verstorben. Die Inseln wurden 1460 dem Neffen von Heinrich, Dom
Fernando, zuerkannt, der dem Entdecker da Noli die Insel Santiago als Lehen gab,
damit er sie besiedelte [11].
1461 brach Cadamosto erneut in Richtung Kap
Verde auf. Auf der Forschungsreise mit seinem Kollegen Diego Afonso erkundete er
die nördlichen Inseln, denen er wiederum Namen nach den jeweiligen Kalendertagen
ihrer Entdeckung gab [11].
Entdeckung und Namen der 10 Hauptinseln [5], [11]
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Insel |
Tag der
Entdeckung |
Alter Name |
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Boavista
Maio
Santiago
Fogo
Sal
São Nicolau
Santa
Luzia
Santo
Antão
São
Vicente
Brava |
25. Juli
1456
3. Mai 1460
3. Mai 1460
3.
Mai 1460
3.
Dezember 1460
6. Dezember 1461
13. Dezember 1461
17. Januar 1462
22. Januar 1462
24. Juni 1462 |
São
Cristovão
Maio (Mai)
São Tiago
(„Hl. Jakob“)
São
Filipe („Hl. Phillip“)
Llano
(„flach“)
São Nicolau („Hl.
Nikolaus“)
Santa
Luzia
Santo Antão („Hl. Anton“)
São
Vicente
São João
Baptista („Johannes der Täufer“) |
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Portugal und das Zeitalter
der Entdeckungen: |
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Anfang 15. Jahrhundert: Gerade
hatte das kleine Portugal seine Unabhängigkeit behaupten können, hatte die
Reconquista beendet und sämtliche Mauren vertrieben. 1411 erkannte Kastilien die
Selbständigkeit des Landes endgültig an, und es wurde ein Friedensvertrag
geschlossen. Portugal war in diesen Jahren eine aufstrebende Macht, die jedoch
von allen Ländern des Abendlandes am ungünstigsten zu liegen schien. Im Westen
und Südwesten vom Atlantik umspült, im Süden die Araber und im Osten und Norden
die Spanier, wohin sollte sich Portugal ausdehnen? Das damals allgemeingültige
Weltbild des Ptolomäus zeigte im Süden Afrika nur bis zum Kap Bojador, danach
kam das Ende der Welt: Die terra australis. Doch die Portugiesen begannen mit
der Entdeckung neuer Ländereien.
Den Anfang machte ein Sohn von
João I.: Dom Henrique Infante (Heinrich der Seefahrer). An der Algarve, direkt
am südöstlichsten Punkt Europas gründete er 1415 in Sagres eine Seefahrerschule.
Im gleichen Jahr gelang es den Portugiesen, in Afrika Fuß zu fassen: Sie
eroberten Ceuta von den Arabern. Der Antrieb für weitere Erkundungen waren die
Gewürze, die in Europa so sehr begehrt waren. So begannen die portugiesischen
Seefahrer mit der Suche eines Seeweges um Afrika herum zu den Gewürzinseln.
1418 wurde Madeira entdeckt und
später besiedelt. Für weitere Erkundungen war Mitte des 15. Jahrhunderts der
größte Schritt das Passieren des Kaps Bojador, wodurch der Weg für die weitere
Erforschung der afrikanischen Westküste geebnet war. Die Portugiesen
untersuchten systematisch die Küsten, gaben jeder Küste und jedem Kap einen
Namen und fertigten detaillierte Karten an. Cadamosto war es, der das Kap Verde
im heutigen Senegal erreichte. 1444 wurde dort eine Handelsniederlassung
gegründet.
In diesen Jahren begannen die
Portugiesen die traurige Geschichte der Sklaverei der Neuzeit. 1444 war auch das
Jahr, in dem der erste Sklavenmarkt für die aus Afrika eingeführte menschliche
„Ware“ entstand, und zwar im Städtchen Lagos an der Algarve. 1456 entdeckte
Cadamosto die Kapverdischen Inseln. 1462 entstand dort auf der Insel Santiago
mit Ribeira Grande die erste europäische Stadt in den Tropen. Ribeira Grande
bekam 1466 das königliche Monopol für den Sklavenhandel und wurde dadurch zum
größten und wichtigsten Sklavenmarkt.
Weiter segelten die Portugiesen
nach Süden und gelangten 1470 an den Äquator. 1487/88 war der südlichste Zipfel
des schwarzen Kontinents erreicht: Bartholomëu Diaz ankerte am Kap der Guten
Hoffnung.
Die nächste große Tat
verbrachten allerdings die Spanier. 1492 gelang es Columbus, Amerika zu
entdecken, das er erst für Indien hielt. Jetzt wurde auch Spanien zur Seemacht.
Portugal und Spanien, die vielleicht ihm am treuesten untergebenen Länder (waren
sie es doch, die die Iberische Halbinsel für die christliche Welt wieder
zurückholten durch die Reconquista) veranlassten den Papst, für alle neu
entdeckten Gebiete die Welt in zwei Teile zu teilen, einem spanischen im Westen
und einem portugiesischen im Osten. Dies wurde 1494 im Vertrag von Tordesillas
festgelegt. 370 Meilen (eine Meile sind ca. 7,5 km) westlich der Kapverdischen
Inseln wurde die Grenze gezogen.
1498 landete Vasco da
Gama bei Calicut in Indien. Damit war der
Seeweg nach Indien gefunden. In den folgenden Jahren entstanden
Handelsniederlassungen auf dem Weg dorthin. 1509 eroberten die Portugiesen Diu
in Indien und 1510 Goa. 1511 wurden Malakka und Timor erobert, und bald darauf
sind auch die Gewürzinseln – die Molukken - in portugiesischer Hand. 1557
bekamen die Portugiesen Makau vom chinesischen Kaiser zur Verwaltung.
Bereits 1500 landete Cabral in
Brasilien, was noch innerhalb der portugiesischen Einflusssphäre liegt.
Brasilien wird die größte und wichtigste Kolonie Portugals [15].
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Besiedelung
Die erste Insel, die
besiedelt wurde, war Santiago, wobei sich die Anfänge recht schwierig
gestalteten. Da Noli siedelte 1462 im Süden der Insel an einem Bach, der das
ganze Jahr Wasser führte, in der Ribeira Grande, dem heutigen Cidade Velha.
Ribeira Grande war die erste europäische Stadt in den Tropen. Ein paar Hütten
wurden als erstes errichtet, eine Kapelle und ein Haus für den Gouverneur. Der
Schwiegersohn von da Noli Jorge Correia warb Familien aus Madeira an, die
bereits Erfahrungen im Besiedeln einer Insel hatten. Mit dem Anbau von
Zuckerrohr, Fruchtbäumen und Baumwolle wurden erste gute Resultate erzielt. 1466
erhielt Ribeira Grande, das sich bald zum florierenden Hafenort mauserte, das
königliche Monopol auf den Sklavenhandel mit Afrika [11].
1470 erhielt ein Bruder von
da Noli die Insel Fogo als Lehen zugesprochen. Zehn Jahre später wurde Fogo,
damals noch São Filipe genannt, als zweite Insel besiedelt. Die Inselhauptstadt
São Filipe ist damit die zweitälteste Siedlung des Archipels [11].
Ausgehend von den beiden
Inseln Santiago und Fogo wurden dann die restlichen Inseln besiedelt. Es folgten
die östlichen Inseln Maio und Boavista, später am Ende des 17. Jahrhunderts auch
Brava als Nachbarinsel Fogos sowie die nordwestlichen Inseln São Nicolau und
Santo Antão. Die Geschichte von São Vicente mit der Hafenstadt Mindelo beginnt
erst im 18. Jahrhundert [5], [11].

Die Ribeira Grande (Santiago) wurde als
erstes Tal in Cabo Verde besiedelt.
Piraten
Vom Beginn des
16. Jahrhunderts bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren Piraten eine
gefürchtete Plage auf den Kapverden. Erstmals 1537 überfielen französische
Piraten den Hafen von Ribeira Grande auf der Insel Santiago. Sie raubten die
Schiffsladung von 7 Schiffen und plünderten Orte. Auf den südlichen Inseln
tauchten Piraten nun regelmäßig auf und beteiligten sich vor allem auch am
Sklavenhandel, indem sie die Schiffsladungen raubten, die ja vor allem aus
Sklaven bestanden. Die Sklaven wurden nun unter noch miserableren Bedingungen
nach Amerika gebracht, vor allem nach Brasilien und in die Karibik [11].
Waren es zuerst Franzosen,
die über die Kapverdischen Inseln herfielen, folgten bald die Engländer. John
Hawkins plünderte Santiago 1552, 1565 und 1566. 1566 tauchte auch der legendäre
Pirat Lovell auf. Francis Drake erschien 1585 in Ribeira Grande und Praia [11].
Es folgten die Flamen, die
1598 die Inseln überfielen. 1655 belagerten sie die Stadt São Filipe auf Fogo,
töteten die Einwohner oder verschleppten sie nach Südamerika
[11].
Die Überfälle der Piraten
führten dazu, dass immer mehr Menschen ins Inselinnere flohen und dort neue
Siedlungen gründeten.
Im Jahre 1712 plünderte der
Franzose Jaques Cassart Ribeira Grande und Praia, was den Untergang der ältesten
kapverdischen Siedlung Ribeira Grande zur Folge hatte. Dadurch wurde Praia die
wichtigste Stadt auf Santiago
[11].

Ribeira Brava, der Hauptort der Insel São Nicolau, wurde aufgrund zahlreicher
Piratenüberfälle im Inselinneren gegründet.
Sklavenhandel
Die Sklaverei der Neuzeit
begannen die Portugiesen ab 1444, als sie den ersten Sklavenmarkt in dem
Städtchen Lagos an der Algarve errichteten. Die Portugiesen nahmen auf ihren
Fahrten entlang der afrikanischen Westküste Menschen gefangen, um sie dann zu
verkaufen. Der Königshof in Portugal bekam 10 % Zoll für den Menschenhandel. Es
wird geschätzt, dass zwischen 1460 und dem 19. Jahrhundert zwischen 15 bis
25 Millionen Afrikaner nach Amerika verschleppt wurden. Portugiesen verkauften
Sklaven nach Brasilien und in die Karibik, Engländer nach Nordamerika, und auch
Piraten beteiligten sich am lukrativen Geschäft [11], [10].
Kap Verde wurde ab 1466,
also nur kurz nach der Entdeckung, zum Sklavenmarkt, nachdem die Stadt Ribeira
Grande auf Santiago das königliche Monopol auf den Sklavenhandel bekam. Ribeira
Grande wurde ein wichtiger Sklavenmarkt, was auch nicht verwunderlich ist, da
zwei Fünftel der Sklaven der Neuzeit allein nach Brasilien verkauft wurden und
ein Großteil in die Karibik. Die Sklaven kamen aus dem heutigen Guinea-Bissau
und aus Sierra Leone, wurden auf den Kapverden verkauft und gelangten dann nach
Süd- und Mittelamerika auf die Plantagen [11], [5].
Auch auf den Kapverden
arbeiteten Sklaven auf den Feldern und Plantagen, in der Tierhaltung, der
Fischerei und im Haushalt für die weißen Herren. Die weißen Männer verfügten
über die schwarzen Frauen, sexueller Missbrauch war nicht selten. Mischlinge
machten bald einen erheblichen Anteil der Bevölkerung aus. Die Sklaven hatten
kaum Verständigungsmöglichkeiten und mussten demzufolge die portugiesische
Sprache lernen. Allerdings wurde diese abgewandelt. Das Kreolische (creolo)
entstand
[11].
Im 18. Jahrhundert erhoben
sich Stimmen gegen die Sklaverei, 1772 wurde die Sklaverei in England verboten,
1807 auch der Transport zu englischen Besitzungen in Übersee. Auf dem Wiener
Kongress 1815 wurde dann die Aufhebung des Sklavenhandels verkündet, Portugal
willigte auf Vorbehalt ein, nur noch südlich des Äquators mit Menschen zu
handeln. Piraten nutzten die Chance und verkauften Sklaven zu Wucherpreisen.
1835 kam es auf Santiago zu einem Aufstand der Sklaven, der niedergeknüppelt
wurde. Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts waren von den 18.000 Einwohnern der
Kapverden noch 5.000 Sklaven
[11].
Erst 1850 wurde der
Menschenhandel auf dem weltgrößten Sklavenmarkt Brasilien für illegal erklärt,
18 Jahre später auch in der Karibik. Es dauerte jedoch noch bis zur
Jahrhundertwende, bis alle Sklaven in den portugiesischen Besitzungen
portugiesische Rechte bekamen
[11].

Am Pranger von Cidade Velha (ehemals Ribeira
Grande, Santiago) wurden Jahrhunderte lang Sklaven verkauft.
Porto Grande und Stadt
Mindelo
Entstand nach den ersten
Jahren der Besiedlung ein gewisser Reichtum und wurde Portugal auch durch seine
anderen Besitzungen zu einem der reichsten Länder der Erde, folgte nach den
„Goldenen Jahren Portugals“ zwischen 1580 und 1640 mit der Personalunion der
Königshäuser von Gesamtiberien der Niedergang. Spanien wurde vorübergehend Herr
über die Kapverden. Ständige Überfälle der Piraten ließen die Bevölkerung weiter
leiden. Es gab verheerende Hungersnöte, die die Bevölkerung immer wieder
dezimierten.
Die Wende kam 1850. Auf der
Insel São Vicente, die erst seit 1794 besiedelt wurde, errichtete die britische
East India Company einen Kohlehafen. Zu dieser Zeit herrschte die
Dampfschifffahrt auf den Weltmeeren, und die Kapverden boten ein strategisch
wichtiges Zwischenlager mitten im Atlantik. 1851 siedelte sich auch die British
Royal Mail Steam Company an, und weitere britische Firmen etablierten sich im
plötzlich florierenden Hafen Porto Grande der Stadt Mindelo, der sich zu einem
der führenden Häfen zwischen den Kontinenten entwickelte. Immer mehr Schiffe
liefen den Porto Grande an. Waren es 1875 noch 309 Schiffe, so waren es vier
Jahre später bereits 669. Mindelo wuchs und wuchs. 1879 wurde Mindelo Hauptstadt
des Barlaventos (der 5 nördlichen bewohnten Inseln). Zwei Drittel der
Staatseinnahmen der portugiesischen Kolonie Kap Verde wurden in Mindelo
erwirtschaftet, wo nur 9 % der Bevölkerung lebten. 1885 wurde das erste
transatlantische Kabel von London nach Brasilien verlegt und bekam in Mindelo
seine Schaltstation. 1900 wurde Madeira angeschlossen, Südafrika, St. Helena und
England wurden verknüpft. Mindelo wurde zur bedeutendsten Kabelstation der Welt
[11].
Dämpfer gab es für den Hafen
als die neuen Häfen in Dakar und auf den Kanaren entstanden, was jedoch die
Briten nicht davon abhielt, weiter zu investieren. Um die Jahrhundertwende
betrugen die Schiffsbewegungen in Mindelo um die 2.000 Schiffe jährlich. Im
Ersten Weltkrieg verhängten die Deutschen eine Blockade über den Hafen, nach dem
Krieg ging es wieder aufwärts. 1935 machte die Steinkohle nur noch ein Viertel
des Treibstoffes für die Schifffahrt aus. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Porto
Grande zum Stützpunkt für deutsche U-Boote, geduldet von Hitlerfreund Salazar,
dem portugiesischen Diktator
[11].
Der Niedergang des Hafens
begann 1952 als die ersten englischen Firmen ihre Kohlebetriebe einstellten.
Ende der 1950er Jahre war die Kohle aus Mindelo verschwunden
[11].

An
einer versunkenen Caldeira liegt der Porto Grande von Mindelo, der im 19.
Jahrhundert zu einem der weltweit wichtigsten Kohlelager für die
Dampfschifffahrt wurde.
Salzhandel
So wie im Mittelalter in Europa Städte durch den Salzhandel zu
Reichtum gelangten, schafften es die östlichen Inseln Sal, Boavista und
Maio im 19.
Jahrhundert. Auf der nordöstlichsten Insel des Archipels, die Llano genannt
wurde und schon bald Sal („Salz“) hieß, entstand 1838 in Santa Maria die erste
Saline, ein paar Jahre später folgte der Ort Pedra de Lume. Auf der Insel Boavista
blühte der Salzhandel, der dort durch englische Firmen betrieben wurde, bereits
seit 1810. 1820 wurde der Inselhauptort, der Porto Inglés („Englischer Hafen“)
hieß, in Sal Rei („König Salz“) umbenannt
[11].
1887 brach der Handel mit
Salz zusammen, da der Hauptabnehmer Brasilien eine Schutzsteuer auf importiertes
Salz legte. 1907 gingen die Firmen bankrott. 1927 setzte mit dem neuen
Absatzmarkt in Belgisch-Kongo ein neuer Aufschwung ein – bis zur Unabhängigkeit
des Kongos (Zaïre). Nach der Unabhängigkeit der Kapverden 1975 ging es mit der
Salzgewinnung nur noch bergab. 1984 wurde der Betrieb der Kapverdischen Salinen
eingestellt
[11].

Saline in Pedra de Lume (Insel Sal)
Die Unabhängigkeit
Die Geschichte der Kapverden
während der Kolonialzeit von der Entdeckung 1456 bis zur Unabhängigkeit 1975 war
durch viel Leid gekennzeichnet: Sklaverei, Piratenüberfälle und immer wieder
Hungersnöte. Verheerende Hungersnöte waren die von 1903-04, als eine bedrohliche
Dürre einsetzte. Auch in den 1940er Jahren litten die Menschen Hunger und
verließen in Scharen ihre Heimat. Noch heute leben zwei Drittel der Kapverdier
in den USA, Europa, aber auch São Tomé. Das Mutterland Portugal vertuschte die
Hungersnöte und vernachlässigte die Kolonie, aus der nichts mehr zu holen war
[11].
Ab 1950 begann sich in Cabo
Verde ein starkes antikoloniales Bewusstsein zu bilden, das noch dadurch
gestärkt wurde, dass die Inselgruppe den Status einer Überseeprovinz Portugals
bekam. Zu jener Zeit herrschte in Portugal die faschistische Diktatur unter
Salazar, die sich neben zahlreichen Menschenrechtsverletzungen auch dadurch
auszeichnete, dass die Unabhängigkeit der Kolonien um jeden Preis verhindert
werden musste
[11].
Nachdem die drei
portugiesischen Kolonien in Indien Goa, Diu und Damão von Indien unter Nehru
einfach besetzt wurden, begannen auch die Unabhängigkeitskämpfe in den
afrikanischen Kolonien (1961 Angola, 1963 Guinea-Bissau, 1964 Mosambik). Am
stärksten waren die Kämpfe in Guinea-Bissau, wo sich bereits am 19. September
1956 die Partei zur Unabhängigkeit Guinea-Bissaus und Cabo Verdes PAIGC
gegründet hatte. Gründungsmitglieder waren u.a. Amilcar Cabral und Aristides
Pereira
[10].
Die Salazar-Diktatur war
nicht bereit, die Kolonien in die Unabhängigkeit zu entlassen, sondern
verzettelte sich in blutige Kämpfe, die zahlreiche Menschenleben forderten und
Unsummen des portugiesischen Staatshaushaltes verschlangen. Auf den Inselstaaten
Cabo Verde und São Tomé und Príncipe gelang es Portugal sehr viel leichter die
Kontrolle zu behalten, in den Flächenstaaten eskalierte jedoch die Gewalt (vor
allem in Guinea-Bissau und Angola) [10].
Der Krieg in den Kolonien
Portugals dauerte auch unter Marcelo Caetano, dem Nachfolger Salazars, an und
stieß immer mehr auf Widerstand, bald auch aus den Reihen des Militärs. Am
25. April 1974 wurde die Diktatur in Portugal vom Militär gestürzt
(Nelkenrevolution). Damit wurde der Weg frei für die Unabhängigkeit der
Kolonien. Bereits im Mai 1974 wurden mit Cabo Verde und Guinea-Bissau
Verhandlungen geführt. Im Dezember wurde eine Übergangsregierung für beide
Länder eingesetzt, und am 5. Juli 1975 wurde Cabo Verde in Union mit
Guinea-Bissau souverän. Erster Staatspräsident wurde Aristides Pereira, der die
Nachfolge des 1973 ermordeten Amilcar Cabrals antrat. Ministerpräsident wurde
Pedro Pires [10], [11], [5].
Nach der Unabhängigkeit
Die ersten Jahre der
Unabhängigkeit war Cabo Verde in Union mit Guinea-Bissau, in dem Luis de Almeida
Cabral, der Halbbruder von Amilcar Cabral, Staatsoberhaupt war. In beiden Länder
regierte die PAIGC als Einheitspartei [11].
Im September 1980 fand in
Guinea-Bissau ein Staatsstreich statt, bei dem Cabral ermordet wurde, was u.a.
auch deshalb die Beziehungen zu Cabo Verde verschlechterte, da die Cabrals aus
Cabo Verde stammten. Am 5. September 1980 wurde der eventuelle Zusammenschluss
mit Guinea-Bissau aus der Kapverdischen Verfassung gestrichen und die
Einheitspartei in PAICV (Partei zur Unabhängigkeit Cabo Verdes) umbenannt
[11], [3].
Die PAICV, die im Kalten
Krieg von westlichen Staaten als sozialistisch (heute jedoch als
sozialdemokratisch) bezeichnet wurde, regierte das Land bis 1991 und sah sich
von Anfang an gewaltigen Schwierigkeiten gegenüber. Es gab zu wenig Fläche für
den Anbau von Lebensmitteln. Es musste bei weitem mehr eingeführt werden, als
exportiert werden konnte. Noch heute stammt der Großteil aller Lebensmittel aus
dem Ausland. Kap Verde war und ist eines der ärmsten Länder der Welt
[11].
Die Regierung unter der
PAICV verfolgte eine Politik der Neutralität, was dazu führte, dass beide Seiten
während des Kalten Krieges Kap Verde Entwicklungshilfe gaben. Kapverdier
studierten in Portugal und anderen westlichen Staaten genauso wie in der DDR
oder der damaligen Sowjetunion. Auch waren die Kapverden das einzige
afrikanische Land, das Südafrika während der Apartheid nicht boykottierte und
südafrikanische Flugzeuge auf dem internationalen Flughafen Espargos auf der
Insel Sal zwischenlanden ließ, was den Flughafen nur förderte
[11],
[5].
Die PAICV hatte während
ihrer Regentschaft durchaus Erfolge aufzuweisen, vor allem im Bildungssektor.
Erfolgreich wurde das Analphabetentum bekämpft, die Analphabetenrate sank weit
unter 20 % - einmalig für ein afrikanisches Land. Auch war es eine Zeit des
sozialen Friedens für die Menschen. Die Gemeinschaft, die die Kapverdische
Gesellschaft traditionell auszeichnet, sowie die Familie waren wichtiger als der
Wohlstand einzelner
[11].
Nach den Ereignissen von
1989 in Osteuropa wurde auch in Cabo Verde die Einführung eines
Mehrparteiensystems gefordert. Im September 1990 beschloss die
Nationalversammlung deshalb eine Verfassungsänderung. Im Januar 1991 fanden
erstmals freie Wahlen statt, die die 1990 gegründete und von den USA
unterstützte MPD (Bewegung für Demokratie) gewann. Staatspräsident wurde Antonio
Mascarenhas Monteiro, Ministerpräsident Carlos Veiga (beide MPD)
[11], [3].
Die Politik der MPD
zeichnete sich durch eine stärkere Öffnung sowie neoliberale Tendenzen aus.
Während bei der Regierung der PAICV der Aufbau des Landes, Bildung,
Infrastruktur sowie die Verteilung im Land als Politik des „kleinen Mannes“ im
Fordergrund standen, setzte die MPD auf eine Liberalisierung der Wirtschaft und
die Förderung einzelner Industrien und Dienstleistungen. Besonders die Förderung
des Tourismus war wichtiger Bestandteil dieser Politik. Dies führte zwar zur
Schaffung von Arbeitsplätzen vor allem auf Sal, hatte aber auch den Verkauf von
Land und Stränden an europäische Tourismusfirmen und eine Veränderung sozialer
Strukturen zur Folge. Auch die Förderung von Remigranten war Politik der MPD.
Diese wurden teilweise bevorzugt behandelt, brachten aber nicht nur Geld,
sondern auch Probleme. 1996 gewann die MPD erneut deutlich [5], [6].
In den folgenden Jahren
stellte sich immer mehr heraus, dass die Politik der MPD dem Land nicht nur
nutzte. Sie schaffte es nicht, die Wirtschaft zu stabilisieren. Nach wie vor ist
Cabo Verde eines der ärmsten Länder der Welt. Auch traten immer mehr Fälle von
Korruption zum Vorschein. Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung wuchs. Die
Wahlen im Januar 2001 gewann dann auch die PAICV mit absoluter Mehrheit. Neuer
Ministerpräsident ist José Maria Neves. Auch die Präsidentschaftswahlen gewann
der Kandidat der PAICV Pedro Pires mit äußerst knappem Vorsprung vor Carlos
Veiga von der MPD.
Ergebnisse der
Parlamentswahlen vom 14.01.2001 in Cabo Verde [16]
|
Partei |
Kandidaten |
Stimmen |
[%] |
Sitze |
|
PAICV
MPD
ADM
PRD
PSD |
José Maria
Neves
Gualberto do
Rosario
Eurico
Monteiro
Jacinto
Santos
João Além |
63.314
53.279
8.062
4.286
510 |
47,27
39,78
6,02
3,20
0,38 |
40
30
2
-
- |
Bei den Parlamentswahlen am 22.01.2006 gewann erneut die PAICV und baute
ihren Vorsprung gegenüber der MPD sogar noch aus. Ministerpräsident bleibt José Maria Neves.
Die Ergebnisse für die drei zukünftig im Parlament vertretenen Parteien sind in
der nachfolgenden Tabelle zusammengefasst.
Ergebnisse der
Parlamentswahlen vom 22.01.2006 in Cabo Verde [16]
|
Partei |
Kandidaten |
Stimmen |
[%] |
Sitze |
|
PAICV
MPD
UCID
|
José Maria Neves
Agostinho Lopes
António Monteiro
|
88.360
74.441
4.463
|
51
43
3
|
41
29
2
|
Zur Präsidentschaftswahl am 12.02.2006 lieferten sich erneut
Pedro Pires (PAICV), der amtierende Kapverdische Präsident, und Carlos Veiga (MPD)
ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Der Vorsprung von Pedro Pires war mit 50,84 % zu 49,16
% nicht ganz so hauchdünn wie bei der Wahl von 2001. Ausschlaggebend waren
jedoch auch die Stimmen der Auslandsgemeinden. In Kap Verde selbst hatte Carlos
Veiga einen leichten Vorsprung. Als Kapverdischer Präsident ist für weitere fünf
Jahre Pedro Pires gewählt worden [16]. |
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