Cabo Verde - Kapverdische Inseln


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Wirtschaft

Allgemeines

Im Vergleich zu anderen afrikanischen Staaten zeigt Kap Verde einen deutlichen Vorsprung in der Entwicklung. Eine wirtschaftliche Unabhängigkeit erscheint jedoch trotz Ausbau des Tourismus in Zukunft nicht realisierbar. 1999 standen Importen im Wert von 225 Mio. US-Dollar Exporte im Wert vom 38 Mio. US-Dollar gegenüber. Obwohl Exporte und Devisen für Dienstleistungen nur 48 % der Importe abdecken, ist der Haushalt ausgeglichen. Grund dafür sind die Entwicklungshilfe und die Überweisungen der Emigranten [13].

Exporte sind vor allem Frischfisch, Langusten, Bananen und Thunfischkonserven. Hauptabnehmerländer sind Portugal, Italien, Deutschland, die USA, Frankreich, Algerien, Spanien und Côte d’Ivoire. 30 % des Staatshaltes erwirtschaften der Flughafen Sal und der Porto Grande von Mindelo, 10 % sind Einnahmen aus Stromerzeugung und Telefon [11].

 

Landwirtschaft

Die Möglichkeiten der Landwirtschaft wurden in den letzten Jahrhunderten durch Abholzung und Raubbau ständig verschlechtert. Probleme sind die fortschreitende Erosion, die Bodenverschlechterung sowie der Wassermangel. Kap Verde gehört zu den trockensten Staaten der Welt. Das Land kann sich nur zu 10 % selbst versorgen, die restlichen 90 % müssen eingeführt werden. Eine Selbstversorgung erscheint auch in Zukunft nicht möglich, da nur 11 % der Fläche landwirtschaftlich nutzbar sind und die Niederschläge nicht ausreichen [13].

Die für die Landwirtschaft wichtigsten Inseln sind Santiago, Santo Antão, São Nicolau und Fogo. Die drei östlichen Wüsteninseln Sal, Boavista und Maio weisen bei weitem zu niedrige Niederschlagsmengen auf. Besonders geeignet für die Landwirtschaft sind die vor allem auf Santiago zu findenden fruchtbaren, relativ ebenen Achadas. An den steilen Hängen der gebirgigen Inseln bestimmen Terrassenkulturen das Bild, die besonders in den ausgeprägten Ribeiras von Santo Antão sehr beeindruckend sind. Interessant ist auch der Anbau von landwirtschaftlichen Produkten in der Caldeira des Pico de Fogo. In schwarzer Vulkanasche werden in Kuhlen Kongobohnen und auch die Reben des begehrten Fogo-Weins angebaut. Die nötige Feuchtigkeit ziehen die Pflanzen aus Tau und Nebel.

 

Bewässerung: Levadas

und Speicherbecken

Terrassenfeldbau

Bewässerte Felder

 Grogue-Herstellung

Die kleinen Felder der Terrassenlandschaft werden in den feuchten Tälern durch komplexe Bewässerungssysteme mit Wasser versorgt. Dabei wird das Wasser über schmale, offene "Wasserleitungen", den levadas, in mehrere kleinere Speicherbecken geleitet und über die Terrassen verteilt. Das System der levadas kam über die portugiesische Vulkaninsel Madeira nach Kap Verde.

Zuckerrohr

Maniok

Kaffee

 Papaya

 

Die am häufigsten angebaute Pflanze ist Zuckerrohr, aus dem besonders auf Santo Antão und São Nicolau Grogue, eine Art Rum, hergestellt wird. Als Grundnahrungsmittel dienen Mais, Bohnen, Süßkartoffeln, Maniok und die europäische Kartoffel. Häufig findet man in den Ribeiras und auf den Achadas Bananenpflanzen. Auf Santo Antão und Fogo wächst Kaffee, der vor allem an den Luv-Hängen von Fogo beste Qualität hat und sehr begehrt ist.

In den feuchten, grünen Tälern wachsen verschiedene tropische Früchte, wie Papayas, Mangos, Orangen, Guaven, Brotfrüchte und Tamarinden. Seltener gibt es Gemüse wie Kohl oder Tomaten.

 

Bananenpflanzen

Mangobaum

Guaven

 Tamarinden

 

Die häufigsten Nutztiere sind Hühner und Ziegen. Schweine findet man häufig, Kühe werden selten gehalten. Als Lastenträger dienen in ländlichen Regionen und besonders in Orten, die nicht ans Straßennetz angebunden sind, nach wie vor Esel und Maultiere.

 

Fischerei

Der Fischfang ist auf den Kapverden ein expandierender Wirtschaftszweig, jedoch sind einige Fischgründe durch Überfischen gefährdet. Die Fischerei macht bisher nur 4 % des BIP aus. Wichtigster Fangfisch ist der Thunfisch [5].

Für den Export ist der Fischfang von sehr großer Bedeutung, da er die Hälfte des Kapverdischen Handelsexportes ausmacht und damit eine wichtige Devisenquelle darstellt. Konservenfabriken befinden sich auf São Nicolau, Sal, Boavista und Santiago. In Palmeira auf der Insel Sal befindet sich eine Aufzuchtstation für Langusten [5].

 

Tourismus

Cabo Verde ist ein Land ohne nennenswerte Rohstoffe, der Aufbau einer Industrie lohnt sich bei der geringen Einwohnerzahl kaum. Über 50 % der arbeitsfähigen Menschen sind  entweder arbeitslos oder unterbeschäftigt. So ist es kein Wunder, dass Regierung und Bevölkerung auf einen wirtschaftlichen Aufschwung durch den Tourismus setzen.

Das Land hat auf den ersten Blick alles, was das pauschale Touristenherz begehrt: Sonne, Strand und Meer. Auf der Wüsteninsel Sal sind in den letzten Jahren zahlreiche Hotels entstanden. José Maria Neves, Premierminister von Cabo Verde, versprach im Januar 2003 touristische Investitionen für die beiden anderen Wüsteninseln Boavista und Maio in Höhe von 1 Mrd. € für die nächsten 15 Jahre. Seitdem sind auch auf Boavista verschiedene Ferienanlagen (meist in italienischer Hand) entstanden. Von deutscher Seite ist bis jetzt hauptsächlich der zweitgrößte hiesige Tourismuskonzern Thomas Cook (bekanntester Veranstalter Neckermann Reisen) auf Sal aktiv. 2006 eröffnete auf Sal die Hotelkette Riu (TUI) ein Hotel.

Auch der Individualtourist kommt auf seine Kosten:  Inseln wie Santo Antão, São Nicolau,  oder Fogo laden zum Wandern ein, Mindelo lockt mit kulturellen Angeboten, und die Hauptstadt Praia erinnert mit seinen Märkten an das Festland Afrikas. Für Pauschal- wie Individualtouristen sind die freundlichen, hilfsbereiten Menschen faszinierend.

Die Besucherzahlen steigen stetig: 1988 kamen lediglich 2.000 Touristen nach Cabo Verde, 1994 waren es schon 30.800, 1997 45.000, darunter 31% Portugiesen, 31 % Italiener, 12 % Deutsche und 11 % Franzosen. 2003 schätzte die fvw, Zeitschrift für die Tourismuswirtschaft, dass jede Woche durchschnittlich 1.500 Touristen nach Cabo Verde kommen - 78.000 im Jahr. Die Zeitschrift erwartet, dass sich die Zahl innerhalb kurzer Zeit auf 3.000 pro Woche erhöht.

Die Frage ist, was in Cabo Verde von den durch Tourismus erwirtschafteten Devisen bleibt. Unbestritten ist, dass viele Kapverdier in den Hotels, Restaurants und Bars auf den Inseln Sal und Boavista eine Arbeit als Kellner oder Zimmermädchen gefunden haben. Auch als Taxifahrer oder Bauarbeiter kann man seinen Lebensunterhalt bestreiten. Aber ca. 90 % der Lebensmittel müssen importiert werden. Die meisten großen Hotels sind in ausländischen Händen, die ihre Gewinne ins Ausland abführen.

 

Entwicklungshilfe

Cabo Verde ist stark abhängig von Hilfslieferungen und Hilfsgeldern, die es auch bekommt. Mittels Abstimmung war es Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre zu einer Aufteilung der Hilfsmaßnahmen gekommen. Deutschland unterstützte die Inseln Fogo und Brava, die USA Santiago, Belgien die Insel Maio, die Schweiz Boavista, Italien Sal, Frankreich São Nicolau, Großbritannien São Vicente und die Niederlande Santo Antão. Großprojekte werden gezielt angegangen [11].

Weiterhin half die ehemalige Sowjetunion im Hafenbau, Schweden hilft bei geothermischen Projekten, Dänemark bei der Nutzung von Windenergie, und Portugal vergibt Universitätsstipendien [11].

Im Rahmen der deutsche Hilfsmaßnahmen ist die deutsche GTZ auf Fogo und Brava tätig und ist in folgenden Sektoren involviert:

  • Entwicklung der Fischerei,

  • Erhaltung der Biodiversität (Schutz endemischer Pflanzenarten, Erosionsschutz),

  • Grundbildung und berufliche Bildung,

  • Gesundheit und Familienplanung sowie

  • Qualifizierung von Kommunalverwaltungen [7]